Am Sonntag, den 27. September 2026 kommt es in Bad Pyrmont zur Stichwahl um das Bürgermeisteramt zwischen Hans-Joachim Böhnke und Carolin Muschter. Nehmt euer Wahlrecht wahr und geht zur Wahl.
Als Entscheidungshilfe hier die Antworten der beiden auf unsere Fragen:
Böhnke, Ha-Jo
Das Verkehrsentwicklungskonzept wurde durch den Rat im Juni 2025 beschlossen und sollte Grundlage der weitergehenden Verkehrsplanung in Bad Pyrmont sein. Daher halte ich es auch für sehr sinnvoll ein Radverkehrskonzept, welches auch die sogenannten E-Scooter berücksichtigt, zu erstellen. Bad Pyrmont stellt sich als in seiner Verkehrsplanung bisher als „Auto-Stadt“ dar. Deshalb ist es wichtig, auch um bestehende Konflikte zu entschärfen, ein Radverkehrskonzept zu erstellen, um den Radverkehr und den E-Scootern den benötigten Raum zu geben. Dieses erhöht die Attraktivität und auch die Akzeptanz dieser Verkehre, die ausdrücklich gewollt sind, als Alternative zum Kfz.-Verkehr.
Muschter, Carolin
Die Realisierung von sicheren Fahrradwegen gehört zu den wichtigsten Aufgaben. Ich werde die hier im Rathaus schon begonnen Konzepte als Grundlage verwenden, darauf können wir einen Maßnahmenkatalog mit dem Rat schnell aufsetzen. Der Landkreis hatte bereits seinen Teil für Pyrmont im Ausschuss vorgestellt, daher wissen wir bereits, wie die Haltung des Landkreises zu diesem Thema ist.
Böhnke, Ha-Jo
Entlang der Landes- und Kreisstraßen liegt die Aufgabe der Radwege Herstellung und Unterhaltung bei der Landesbehörde für Straßenbau. Mit dieser müssen die Gespräche zum Zustand der Radwege intensiviert werden. Für den Bereich der städtischen Straßen müssen auch im Rahmen der Erstellung des Radwegekonzeptes Lösungen erarbeitet werden. Ich denke hier im Besonderen als erste Schritte an die Ausweisung der Schulstraße als Fahrradstraße und die Abstimmung mit dem Staatsbad zur Querung der Hauptallee für Schülerinnen und Schüler.
Muschter, Carolin
Wir sehen die Sorge der Eltern, dass Kinder und Jugendliche in der Stadt, aber auch von den Ortsteilen aus, sicher unterwegs sein müssen. Fahrradwege zu den Schulen werden wir durch gut sichtbare, breite Markierungen auf den Straßen, anlegen, das geht schnell und ist eine kurzfristig umsetzbare Maßnahme. Für bauliche Maßnahmen brauchen wir Geld, deshalb wollen wir nicht den Umbau des Bahnhofsvorplatzes und keinen Kreisel, wir brauchen das Geld dringender an anderer Stelle, insbesondere für unsere Rad- und Gehwege.
Böhnke, Ha-Jo
Die Förderung des Radverkehrs, das E-Bike bietet eine attraktive Alternative, ist schon angesprochen worden. Dazu gehört auch noch die Bereitstellung von geeigneten Abstellmöglichkeiten in ausreichender Zahl für Fahrräder und E-Scooter. Im Weiteren müssen Gespräche mit den Öffis zum ÖPNV geführt werden. Die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler mit der Ha-Py Card kostenlos den ÖPNV zu nutzen, ist hier ein erster, richtiger Schritt. Auch die Nutzungsmöglichkeit des „Anrufsammel-Taxi“ ist gut. Weitere Angebote für einen attraktiven ÖPNV müssen zusammen mit den Öffis erarbeitet werden. Leider kann die Stadt Bad Pyrmont hier aber nicht alleine entscheiden, sondern nur auf Lösungen und Angebote mit Nachdruck hinarbeiten.
Muschter, Carolin
Die PyrmontCard ist da immer wieder der entscheidende Faktor, sowohl für den Busverkehr innerhalb aber auch außerhalb der Kernstadt Pyrmonts zu den Ortsteilen. Es gibt zudem die Möglichkeit, mit Kleinbussen die Ortsteile anzufahren und so zum Beispiel an Markttagen die Menschen in die Stadt, aber auch zu den Supermärkten zu bringen. So können sie einkaufen, sind unabhängig und man kann dann am frühen Nachmittag mit einem Kleinbus die Heimfahrt ermöglichen. Insgesamt müssen die Öffis bessere Fahrpläne für Pyrmont liefern. Anruf-Taxis müssen wir fördern. Ein Beispiel stellt der EcoBus dar, so ein Bus kann wie ein Anrufsammeltaxi eingesetzt werden. Per App können die Fahrtwünsche in Echtzeit ermittelt werden. Durch Kombination von Kleinbussen kann man die Fahrgäste dann auch zu den Linienbussen bringen und damit die Flexibilität herstellen.
Böhnke, Ha-Jo
Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Immobilien bis 2040 CO²- neutral betrieben werden. Dieser Verpflichtung muss sich der Stadt stellen, aktuell wird im Rahmen einer AG ein Konzept zur Umsetzung der Klimaneutralität erstellt. Dieses beinhaltet die energetische Sanierung, Vorgaben zur Senkung der Verbräuche, Umstellung der Heizungsanlagen, den Bau von PV-Anlagen und weitere erforderliche Anpassungen. Aufgabe des Rates wird es sein, die erforderlichen finanziellen- und personellen Kapazitäten hierfür zur Verfügung zu stellen.
Muschter, Carolin
Wir haben eine kommunale Wärmeplanung für Pyrmont schon erstellt, die gilt es umzusetzen. Bei Gebäuden der Stadt, da kann ich als Bürgermeisterin die Modernisierung der Anlagen vorantreiben. Im privaten Bereich gilt: Bürger brauchen für die Umsetzung der Klimaneutralität der Gebäudeheizungen optimale Beratungsangebote und die für die daran anschließende Umsetzung dann die passende Begleitung, das müssen wir als Stadt leisten.
Böhnke, Ha-Jo
Die „Kommunale Wärmeplanung“ wurde im Juli 2026 vom Rat beschlossen. Entsprechend hat die Verwaltung die Aufgabe zu prüfen, ob der Ausbau des bestehenden Nahwärmenetzes und die Schaffung eines weiteren Nahwärmenetzes umsetzbar ist. Dieser Aufgabe stellt sich die Verwaltung. Wenn die Untersuchungen ergeben, das Nahwärmenetze im Rahmen der Sicherstellung der Wärmeversorgung ein wichtiger Baustein sein sollten, so werde ich diesen Prozess als Bürgermeister genauso positiv begleiten, wie in meiner Funktion als Verantwortlicher in der bisherigen Umsetzung zur Erstellung der Wärmeplanung.
Muschter, Carolin
Im Augenblick gibt es ein Nahwärmenetz im Innenstadtbereich, das aber nicht der Stadt/ den Stadtwerken gehört. Es macht Sinn, dieses Netz zu erweitern. Wir müssen prüfen, ob es sich an die bestehenden Leitungen der Stadtwerke anschließen lässt. Die Förderung durch die Stadt würde ich unterstützen.
Böhnke, Ha-Jo
Grundsätzlich unterstütze ich den Ausbau der regenerativen Energien und damit auch WEA und PV-Anlagen. Die unter den Punkten a. und b. genannten Beteiligungen sehe ich persönlich aber bei der 100% – Tochter der Stadt, den Stadtwerken. Diese haben dieses Betätigungsfeld aber auch schon bereits für sich erkannt und werden es sicher zukünftig auch noch weiter ausbauen. Dieses befürworte ich ausdrücklich! Zu c. besteht die rechtliche Verpflichtung für die Stadt seit dem 01.07.´26 noch einmal ausdrücklich durch das Gebäude Modernisierungsgesetz (GModG). Dieser Pflicht wird die Stadt folgen müssen. Zumal ich es auch für unumgänglich halte, dass die Stadt ihre Energiekosten deutlich senkt, um dann freie, finanzielle Mittel zur Finanzierung anderer wichtiger Entwicklungen zu nutzen.
Muschter, Carolin
Alle drei Maßnahmen laufen ja bereits durch die Verwaltung und die Beteiligungen der Stadtwerke an den verschiedensten Projekten, auch der ENGENO. Windkraftanlagen sind im Bereich des Kurgebietes nicht zulässig, darauf müssen wir als Stadt achten. Die Belegung kommunaler Dächer läuft bereits und muss weitergeführt werden. Die Beteiligung an Freiflächenanlagen darf nicht zu Lasten der Landwirtschaftlichen Flächen gehen und muss unbedingt den Rückhalt der betroffenen Anlieger haben. Wir haben die Möglichkeit von Stromherstellung über das Wasser-Kraftwerk an der Emmer, auch da müssen wir die optimale Ausnutzung erreichen. Berechnungen, die im Rahmen der Bürgerveranstaltungen zur kommunalen Wärmeplanung vorgestellt wurden, ergeben zudem, dass wir genügend Potential haben, um Gebäude mit Umweltwärme, Abwasser- und Flusswasserwärme, Biomasse und Sonnenenergie zu versorgen.
Böhnke, Ha-Jo
Ich bin im Rahmen meiner Tätigkeit für die Klimaanpassung zuständig. Das Klimaanpassungskonzept wurde im Juni 2025 vom Rat beschlossen. Es sind bereits kleinere bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Starkregenvorsorge umgesetzt worden. Weiterhin sind wir dabei, Projekte im Rahmen der Sensorik umzusetzen. Ein Pegelmesser im Hessebach und Hochwassersensoren im Bereich der Emmer wurden bereits installiert und in Betrieb genommen. Weitere Pegelmesser, aber auch Wetterstationen, mit Wind- und Niederschlagsmessungen, werden noch installiert, sind aber schon in Zusammenarbeit mit den SMART City Team des Landkreises beschafft worden. Hier soll ein Warn-Netz für Behörden und Bevölkerung entstehen und Daten gewonnen werden. Aktuell wird die Ausschreibung zur Erstellung eines Starkregenvorsorgekonzeptes vorbereitet. Dieses soll dann die Grundlage für organisatorische und bauliche Maßnahmen im öffentlichen aber auch privaten Bereich sein, um das Starkregenrisiko zu senken.
Muschter, Carolin
Der Generalentwässerungsplan muss öffentlich im Rat besprochen werden, damit die notwendigen Planungen für alle verständlich und nachvollziehbar werden. Wir müssen dringend die Gräben des Stadtforst so auslegen, dass das Wasser gleich im Wald verbleibt und direkt dort versickern kann. Damit wird die Grundwasserbildung gefördert und der Wald gestärkt. Da bin ich schon seit 2021 hinterher, als Bürgermeisterin ist das mein wesentlicher Punkt für den Stadtwald neben dem Zustand der Wege. Auch die Gräben der Stadt und der Ortsteile müssen für Starkregenereignisse ausgelegt und instandgehalten sein. Das ist Aufgabe der Stadtverwaltung – als Bürgermeisterin werde ich mit den Anliegern der Gräben intensiv zusammenzuarbeiten. Zudem möchte ich gerne den Bürgern die Anschaffung von großen Regenwasserbehältern schmackhaft machen. Mit wenig Aufwand kann jeder Einzelne damit die Kanäle bei Starkregen entlasten und gleichzeitig anschließend mit Regenwasser den eigenen Garten wässern. Die Emmer muss hier mit bedacht werden, die Pflege des Gewässerrandes ist in Teilen Aufgabe der Stadt. Die Anmerkungen und Aufträge des Wasserverbandes aus den regelmäßigen Begehungen der Emmer müssen wir schneller umsetzen als bisher. Zudem muss in den Überschwemmungsbereichen angepasste Nutzung wie Grünland gefördert werden, die die natürlichen Wasserrückhaltefunktion fördern. Der Einsatz technischer Maßnahmen muss möglichst vermieden werden.
Böhnke, Ha-Jo
Die Aufgabe der kommunalen Trinkwasserversorgung liegt bei den Stadtwerken. Diese können wir damit aber nicht alleine lassen. Zukünftig wird es wichtig sein, im Rahmen der Starkregenvorsorge, aber auch der Klimaanpassung insgesamt, durch die Entsiegelung von Flächen die Versickerung des Niederschlagswassers und damit verbunden die Einspeisung in das Grundwasser verstärkt zu betreiben. Hier muss es Abstimmungen mit den Flächeneigentümern und zu beteiligen Behörden geben. Auch in der innerstädtischen, öffentlichen Infrastruktur müssen entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Erster Schritt muss aber die Senkung des Verbrauchs von wertvollem Trinkwasser sein.
Muschter, Carolin
Die Trinkwasserversorgung wird über die Stadtwerke geregelt. Die die Pflege der bestehenden Brunnen mit der Absicherung der jeweiligen Einzugsgebiete ist extrem wichtig. Auch hier gilt wie oben, ich möchte die Bürger für Regenwasserbehälter begeistern: damit lässt sich der Garten wässern, sorgt so für Versickerung vor Ort, und braucht weniger Stadt-(Trink)wasser zum Bewässern. So entlasten wir die Stadtwerke und schützen das Trinkwasservorkommen. Neue Brunnen anzulegen ist nicht im Sinn der Raumordnungsprogramme.
Böhnke, Ha-Jo
Der Hitzeschutz wird eine wichtige Aufgabe im Bereich der kommunalen Gebäude und der Infrastruktur werden. Hier müssen wir an baulichen, passiven und aktiven Hitzeschutz bei unseren Gebäuden arbeiten. Wie bereits zuvor ausgeführt werden wir weitere Flächen entsiegeln, begrünen und beschatten müssen. Hier wird es wichtig sein, dass wir dabei Pflanzen und Bäume nutzen, die mit weniger Niederschlag auskommen und Hitze besser vertragen. Auch muss die Nutzung des Trinkwassers für das Gießen zurückgeführt werden. Die Nutzung von Niederschlagswasser als Brauchwasser muss etabliert werden. Auch die Verwendung von bisher nicht genutztem Quellwasser für Brunnen- und Wasserläufe muss geprüft werden. Der kleine Wasserlauf am Rathaus ist hier beispielhaft, dieser wird ausschließlich mit Quellwasser betrieben.
Muschter, Carolin
Wir brauchen mehr Bäume, mehr Grün, um in Hitzeperioden die Aufheizung des Asphalts zu mindern. Die Bäume, die wir in Zukunft pflanzen, müssen nicht hoch werden, aber breit über die Straßen reichen, damit hinreichend Schatten entsteht. Wir haben es alle bei der Hitze der letzten Wochen gesehen, am Besten ließ es sich in der Hauptallee aushalten, am Schlechtesten auf unbeschatteten Flächen. Wir müssen die Kaltluftschneisen erhalten, damit der Ort nachts durch die Kaltwinde abgekühlt wird. Trinkwasserspender in Schulen, auf der Brunnenstraße und an den Sporthallen sind meines Erachtens notwendig, das hat sich in Ländern mit heißem Klima bewährt und würde auch bei uns einen positiven Effekt haben. Pyrmont hat sich bis vor wenigen Jahren ausgezeichnet durch blühende Straßenseiten, auch das wollen wir wieder fördern.
Böhnke, Ha-Jo
Auf die Stadtwerke kommt hier eine wichtige Funktion zu. Ihre Aufgabe muss es sein, die Pyrmonter Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende, Staatsbad und Stadt mit bezahlbarer, CO²-neutraler Energie zu versorgen. Das bedingt erhebliche Anstrengungen und die Bereitschaft, sich gemeinsam auf den Weg zu machen.
Muschter, Carolin
Die Stadtwerke als Tochterfirma der Stadt haben einen eigenen Aufsichtsrat, da hat man als Bürgermeisterin eine Stimme unter vielen. Entscheidend ist hier also, wie viele Kandidatinnen und Kandidaten unserer Wählergemeinschaft oder der Parteien von den Bürgern in den Rat gewählt werden. Denn vom Rat aus werden die gewählten Ratsmitglieder dann je nach Stärke der Fraktionen in den Aufsichtsrat der Stadtwerke entsendet. Dort bestimmen diese mit ihrer Mehrheit die Entwicklung der Stadtwerke; das Gleiche gilt für die AÖR (Abwasser, Kanal und Klärwerk). Ich möchte die Stadtwerke in Bezug auf die Klimawende als selbständige Stadtwerke erhalten, damit wir als Stadt hier selbst Einfluss nehmen können und nicht von großen Konzernen geschluckt dann mit deren Prämissen gesteuert werden. Da Pyrmont schon immer einen hohen Anteil an Nachtspeicheröfen hatte, ist die Auslegung unseres Netzes für die Anlage von Wärmepumpen sehr gut vorbereitet. Da haben wir einen großen Vorteil zu anderen Städten. Die Beteiligungen der Stadtwerke an ENGENO und anderen nachhaltigen Stromerzeugern müssen wir weiterhin so halten, dass wir hier grünen Strom bewerben können: das ist in Zukunft ein großer Vorteil im Tourismus-Sektor.
